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Artikelbild Bericht vom Themenabend – Marketing/Sponsoring und Werte beim FC St. Pauli

Bericht vom Themenabend – Marketing/Sponsoring und Werte beim FC St. Pauli

Am 29. August fand endlich der lang erwartete und bereits einmal verschobene Abend zum Thema „Marketing/Sponsoring und Werte beim FC St. Pauli“ statt. Ausgerichtet wurde dieser vom FC St. Pauli, dem Fanladen und der AFM gemeinsam.

Der Ballsaal in der Südkurve war mit rund 160 Personen gut gefüllt und es sollte ein gesprächsintensiver Abend werden, bei dem Bernd von Geldern (Direktor Vertrieb) sowie Martin Drust (Direktor Marketing) sich und ihren Aufgabenbereich im Verein zunächst vorstellten, bevor sie dann einem engagierten und kenntnisreichen Publikum Rede und Antwort stehen mussten. Ebenfalls auf der Bühne als Vertreter der Fan-Perspektive war Maik Krükemeier vom MillernTon vertreten.

Über die gut zweieinhalb Stunden Veranstaltungszeit wurden viele Themen aus dem Bereich Marketing und Sponsoring kritisch beleuchtet, es gab Nachfragen, Forderungen, Anmerkungen, Kritik und auch ein wenig Lob.

Viele Themen an einem Abend

Konkret ging es unter anderem um kritikwürdige Werbekampagnen aktueller und vergangener Sponsoring-Partner und die Art des Umgangs vonseiten des Vereins. Es ging um die USA-Reise und die Fragen, warum das FCSP-Merchandising dort viel politischer ist als hier, und warum es das hier nicht zu kaufen gibt. Es ging um Frauengrößen und Genderstereotype im Fanshop, die Besetzung des Podiums mit fünf Männern und ohne Frauen, um Nachhaltigkeit bei der Produktion, und die Frage warum man BossHoss auf dem Südkurvenvorplatz auftreten ließ. Auch Widersprüchliches wurde angemahnt und der Finger in die Wunde gelegt. Zum Beispiel „Wie glaubwürdig ist eigentlich die Präventionsarbeit gegen Spielsucht für die Nachwuchs-Teams, wenn es gleichzeitig eine große Werbekampagne mit einem Wettanbieter im Fernsehen gibt?“ Es gab außerdem harsche Kritik am aktuellen Dauerkarten-Design, an dem Bild das der Verein auf Social Media abgibt und daran, dass es zu viele Sponsoren aus dem Bereich der Suchtmittel gibt.

Abseits von so Konkretem wurden auch tiefergehende Fragen diskutiert. So zum Beispiel: „Für wen ist das Merch eigentlich gedacht, für den harten Kern der Fanszene, oder die bis zu 18 Millionen vermeintliche Sympathisant*innen des FCSP deutschlandweit?“ oder auch „Wenn der Spirit der Fanszene so institutionalisiert wird und alles vom Verein kommt, laufen wir dann nicht Gefahr faul und selbstgefällig zu werden?“

Spannungsfeld und Spagat

An diesem Abend wurden wieder einmal mehrere Dinge klar: Der FCSP bewegt sich im Spannungsfeld zwischen seinen einzigartigen Werten, die durch die Fanszene über lange Jahre erkämpft wurden, und dem Zwang zur Vermarktbarkeit. Der Austausch und die gemeinsame Kommunikation zwischen Fans und Vereinsfunktionären ist dabei entscheidend wichtig, um nicht die Tuchfühlung zu verlieren. Außerdem ist es ein heißes Thema, welches regelmäßig neu verhandelt wird. Die Forderung einen Themenabend mit diesem Fokus regelmäßig abzuhalten, wurde mehrfach laut.

Wir freuen uns, dass so viele engagierte und interessierte Sankt Paulianer*innen teilgenommen haben, wir freuen uns über den Austausch und die rege Diskussion. Wir können das als weiteren Schritt in einem Prozess mitnehmen und danken Bernd, Martin und Maik und allen, die gestern da waren, die zugehört und mitdiskutiert haben.