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Supportgruppen: Supportblock Gegengerade

Einst war die Gegengerade des Millerntors Keimzelle der aktiven und lauten Fankultur des FC St. Pauli. Mit dem Umzug von Ultrà Sankt Pauli auf die Südkurve wurde es dann allerdings ab der Mitte der 2000er Jahre zusehends stiller auf der großen Stehplatztribüne. Ein Zustand, dem einige Fans irgendwann nicht länger tatenlos zusehen wollten.

 

Endgültig formierte sich der Supportblock Gegengerade dann mit dem Tribünen-Neubau 2012, wobei es schon vorher Überlegungen und eine lose Zusammenarbeit einzelner Fangruppen und -clubs am selben Ort gab. Angesichts einer Stimmung, die (gefühlt) immer schwächer geworden war, galt es, gemeinsam den sprichwörtlichen „Roar“ dorthin zurückzubringen, wo er die Wurzeln für den FC St. Pauli gelegt hat, den wir heute kennen und lieben: die Gegengerade.

 

Der Supportblock Gegengerade ist weder ein Fanclub noch eine feste verschworene Gemeinschaft. Vielmehr vereinen sich unter diesem Dach eine Vielzahl von Gleichgesinnten, die es laut und bunt lieben. Eine Menge davon sind in altbewährten Fanclubs organisiert oder haben später im Rahmen des Supportblocks neue gegründet. Unter den verschiedenen Fanclubs sind Alte Meister, Schall und Rauch, Alte Schule, Ostblock oder Roter Stern, um nur einige davon zu nennen.

 

Viele andere Mitglieder des Supportblocks sind Teil der „unorganisierten“, aber nicht minder tatkräftigen Fanszene. Zwar ist es durch die lose Struktur nicht immer ganz einfach, gemeinsam etwas für die Gegengerade und das ganze Stadion auf die Beine zu stellen, aber: Meistens funktioniert es doch irgendwie.

 

Auch wenn das umstehende Gegengeraden-Publikum zum Teil erst lernen musste, dass die verteilten Fahnen im Idealfall nach dem Spiel wieder abgegeben werden und kein Souvenir für zu Hause sind. Vorsänger gibt es keine im Supportblock, es bleibt somit ein klein wenig Anarchie. Wenn es dann doch mal gelingt, die Südkurve „herauszufordern“ und beispielsweise einen Wechselgesang zu initiieren, dann wird das Potential der vielen Kehlen auf den Stehplätzen deutlich. Auch wenn das zweifellos nicht bei jedem Heimspiel abgerufen wird.

 

Manchen Widrigkeiten zum Trotz sind im Laufe der vergangenen Jahre Choreographien, Sticker, Fanartikel und vieles mehr unter dem Motto „Roar“ durch den Supportblock entstanden. Verschlissene Nähmaschinen und blutige Hände einiger Aktiver sprechen eine deutliche Sprache. Und gefeiert wird natürlich auch gern mal.

 

Ob auswärts oder im Block D am Millerntor: Jede/r ist willkommen, den Supportblock zu unterstützen, miteinander Fahnen zu nähen, zu singen, zu feiern und zu leiden. Alles kann, nichts muss. Aber laut sein ist schon cool.